Mittwoch, 29. Oktober 2008

Es wird langsam...

Der Winter kommt mit schnellen Schritten. Es wird schon noch hell tagsüber. Aber man hat immer das Gefühl der Tageszenit sei schon überschritten. Auch um Zehn Uhr früh, weil die Sonne eine immer flachere Bahn zieht. Und wenn ich dann auf meinem Weg von der Uni zum Beispiel um 15Uhr nach Hause gehe, sieht das ungefähr so aus:

Gestern Abend habe ich einen schönen Spaziergang gemacht. Ich mag es wenn mich mein eigener Atem umweht und wenn man sich mit der Zunge über den Bart fährt, der kalte Luftniederschlag als kleine sofort tauende Wassertröpfchen nach Winter schmecken. Minus 2 Grad ist ja noch nichts. Aber es ist genug um fröhlich lächelnd um 18 Uhr seines eisigen Weges zu gehen. Die Hügel um die Stadt herum tragen schon Schnee. Wie mit Pudderzucker bestreut liegen sie da und da selbst tagsüber die Schneehaube nicht mehr schmelzen will sind sie die besten Boten des Winters, der sich nun, wie neulich draußen auf dem Fjord mit eisiger Schwere in die Täler stürtzt und alles nach und nach einfrieren wird. Nur das Leben pulsiert in den unzähligen warmen Herzen dieser Stadt weiter. Es zu finden, könnte manchmal schwer werden. Manchmal sieht man aber bekanntlich im Dunkeln sogar mehr als man im Hellen zu erfassen meint. Nächsten Montag ist Sonnenuntergang kurz vor 16Uhr. Und immer so fort...
Noch ein weiteres Bild von meinem alltäglichen "Schulweg". Der schönste "Schulweg" der Welt!Jedesmal wenn ich mich einen ungefähr 45Grad steilen Weg hochgekämpft habe, bietet sich mir dieses Bild. Also lohnt es sich
Und zum Schluss wie immer noch ein bisschen Musik, die bestimmt gut in den Eindruck passt, den viele wieder vom Norden haben werden. . Ich mag es!Angus and Julia Stone mit "Silver Coin" aus Australien.

Donnerstag, 23. Oktober 2008

Ich mag es...

...wenn der eigene Atem einen umnebelt. Wenn ich den dicken Wollpullover raushole, der, wenn ich irgendwo in leichter Wärme sitze, wie ein Kissen und ein Schlafsack ist. Ich mag es aus dem Fenster zu sehen, spät Nachts oder früh am Morgen. Und dann ist alles vom Frost behangen. Dieses sanfte Weiß. Die Bäume hier sind so gelb wie das Gelb aus dem Tuschkasten im Zeichenunterricht der Grundschule. Ich mag es, dass die Leute langsam winterlich aussehen. Manche mag ich besonders. Die vielleicht auch mal Blätter vor den Mund nehmen, Rote bisweilen. Und ich mag es auf dem Weg zur Universität über die Staat zu blicken und den Fjord in stetig neuen Grautönen zu erleben. Jedesmal sieht er bedrohlicher aus. Doch einmal kam eine dicke Wolke und schloss ihn so sehr ein, dass er kaum mehr sichtbar war. Das andere Ufer auch nicht. Ich mag den Herbst. Auch wegen der Musik, die mitunter - rein stimmungsorientiert - wie für ihn gemacht zu sein scheint.

Dienstag, 14. Oktober 2008

unten

Es regnet einfach den ganzen Tag. Die einzige Veränderung ist die Intensität. Mal trommelt der Regen auf ein Dachfenster, unter dem ich mit Hustenanfällen und zu Brahms, Chopin und Telemann mit mir selbst ringe und mich reichlich daran störe, dass die einzigen freien Tage die ich mir nach arbeitsintensiven Wochenenden nehme, derart niedergestreckt verlaufen. Mal tippt der Regen langsam und läuft dennoch in dicken Tropfen die schräge Scheibe herunter, nur um sich bald darauf wieder mit voller Intensität regelrecht zu ergießen, als wolle er das Dach über mir zum Einsturz bringen.
Gestern habe ich es beobachtet. Es läuft fast immer gleich ab:
Trondheim liegt im Tal, umringt von Bergen...auf den Bergen auch noch Trondheim, ja. Da wohne ich. Die Wolken kommen vom Atlantik über den Fjord von Westen über die Bymarka angeschlichen und FALLEN und STÜRZEN dann in das Tal, wo in jenem Augenblick wieder viel zu viele Menschen nicht auf Regen eingestellt sind. Dann kriecht die Masse durchs Tal und hängt sich an der anderen Seiten im Hang fest. Da wohne ich. Erst wenn sie ihre Schwere verloren hat schleppt sie sich nach Osten weiter. Mitunter ist das ein sehr einheitliches Schauspiel mit vielen Akteuren hintereinander. Manchmal aber auch gibt es dazwischen Wolkenlücken und Sonne, die die Hänge mit ihrem Farbenmeer brennen lässt. Es ist Herbst!

Freitag, 10. Oktober 2008

Die Kunst der Ablenkung

Es läuft im Grunde immer gleich ab:
Aufstehen, Heiße Zitrone aufkochen, vielleicht was essen, nebenbei läuft MDR Figaro, "nur mal eben schnell im Netz nach den Nachrichten gucken". Die Welt ist schlecht! Wenn man Nachrichten liest, ist die Welt immer irgendwie schlecht. Tote, Verletzte, Vermisste, Verhungerte, Verfettete, Verlorene...eine endlose Reihe. Auch Menschen!
Und schon ist man gefangen!!! Gefangen im Sog der Informationen. Hier noch ein Klick und da noch ein Artikel und letztlich endet man immer bei Wikipedia und der wunderschrecklichen Welt des Allwissens, verbunden mit gleichzeitiger Depression, jenes niemals erreichen zu können.
"Eigentlich!!!". Dieses Wort ist zum an die Decke gehen. "Eigentlich" müsste ich jetzt mit der Arbeit anfangen. Das Eis brechen, das ist die große Kunst. Es sind nur 4 Seiten Diskussion und Struktur, nichts weiter. Aber Anfangen!!! Jeden Tag will ich anfangen, aber jeden Tag höre ich mit dem Anfangen auf. In welchen Maß beeinflusste kollektives Gedächtnis und identitätsstiftende Erinnerungskultur die Nationalisten innerhalb der norwegischen Nationalromantik? Das ist spannend, wirklich spannend. Aber Anfangen!!! Im Hintergrund läuft mal wieder der gute Tex. Scheiße, wenn der so gut singt kann ich nicht anfangen. Heute fange ich an! Sollte ich eigentlich!

Donnerstag, 9. Oktober 2008

Auch das noch

Wie sagte es Serdar Somuncu gaz treffend und punktuell: "Im Internet hat jeder zu jedem Scheiß was zu sagen und zu kommentieren". Das stimmt! Nach reiflicher Überlegung bin ich zu dem Entschluss gekommen, mich dem anzuschließen. Es war, als ich unter Dusche stand und die Wassertropfen an mir herunterliefen und mit ihrem leisen Trommeln auf die metallene Abflussabdeckung eine seltsame Melodie erzeugten. Je länger die Haarsträhne war, aus der sie sich wanden, je satter war der Ton, der beim Aufschlag entstand. Manchmal vermochten sie sogar einen Takt zu finden, den ich dann mittels meines Bauches, den ich in die Fallbahn geschickt einzufügen versuchte, verändern, meist aber zerstören sollte. Und wie man dann da steht, nass und meist etwas sinnlich, wenn der ganze echte und mentale Dreck der letzten Tage von einem abfällt, und man keine Sekunde daran verschwendet, ihm bei seinem Weg in das Abflussrohr nachzutrauern, dann kommt einem der Gedanke genau dies aufschreiben zu müssen. Willkommen in einer kleinen Einführung ins Ich!

Genauso wie dieser dramatische Sonnenuntergang gestern. Dramatisch ist ein tolles Wort, das sagte mein Kollege im Stadtarchiv Dessau-Roßlau, ein Fotograf mit Blick, immer wenn ein Bild besonders romantisch, oder durch rötliche Farben beherrscht wurde. Das sah gestern ungefähr so aus:
Und während ich mich gerade wieder eindrucksvoll vor meiner kleinen Hausarbeit drücke, läuft ein ums andere Mal der wunderbare Tex im Hintergrund. Noch nie zuvor habe ich so zwanglose Lyrik mit so gekonnter Gitarrenakrobatik gemischt gesehen, ich schwebe geradezu in Verehrung und will es jedesmal schwer begreifen, dass es niemals leichter werden wird, Songs nachzuspielen. Meist eher schwerer.
Gestern diese sehr laute Party zum Geburtstag von Lukas im Wohnheim. Ich hoffe er bekommt nächste Woche nicht seine Zimmerkündigung dafür. Selten habe ich bei WG-Partys mein eigenes Wort nicht mehr verstanden, selten habe ich Leute beim Tanzen in Garderoben einbrechen sehen und selten habe ich in Norwegen soviel Alkohol fließen sehen. Ein Indiz für ein gelungenes Fest, zumindest nach nördlicher Manier. Da mir langsam die Schreibideen ausgehen und ich den geneigten Leser nicht weiter mit Geschwafel quälen will, gibts zum Schluss dieser Blogeinweihung noch Musik der herrlichen Alin Coen, die ich gestern für mich entdeckt hab, nicht jedoch ohne noch den Hinweis zu erbringen, dass dieser Blog sich mit der Zeit eher mit Lyrik als mit Geschwafel füllen soll. Auf Alltagsberichterstattung wie oben, hofft ihr also vergeblich. Sorry! Bis bald und liebe Grüße
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